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Stas am 25-04 zu Daniel

Page history last edited by Stas 10 years, 11 months ago

Meine Zustimmung hierzu und noch ein Versuch einer kleinen Anmerkung, wenn wir uns schon mitten in der Protestttheorie befinden, zu der Sprache, die im Rahmen der Protesttage oft genug gesprochen wurde und immer noch dominiert. Ausdrücke wie "Wir stellen keinen fertigen Katalog von Forderungen", "Wir brauchen noch Zeit" (für jenen fertigen Katalog) etc. sind nicht deswegen problematisch, weil sie falsch wären - sie sind in einem gewissen Sinne weder richtig noch falsch, sie _operieren mit völlig falschen Kategorien und Begriffen_, so dass weder diese Aussagen selbst noch ihre Negationen richtig wären. Dass mit diesen Begriffen immer noch operiert wird, wird nur legitimiert durch versteckte Voraussetzungen, die an einem gewissen Punkt gemacht wurden (es war nicht immer so) und die sie steuern und reproduzieren. Die prominenteste solcher Voraussetzungen ist die völlig überhebliche und verfehlte, möglicherweise unbewusste Annahme, man könnte je zu einem solchen fertigen Katalog 
 gelangen - man wäre irgendwie in der Lage, durch sorgfältige und systematische Arbeit zur Wahrheit im emphatischen Sinn dieses Wortes zu kommen. Da man zu einer solchen Annahme ein Subjekt braucht, spiegelt sie sich in eben jenem "wir", das zwar unaufhörlich kritisert wird, das aber immer wieder notwendigerweise auftaucht. Notwendig wird das "wir" eben zur Aufrechterhaltung der oben erwähnten Begriffe. _Das "wir" ist in dem System der Sprache, die der Protest im Moment - leider immer noch - verwendet, eingeschrieben, es ist nicht unterzukriegen. Und genau dieses "wir" verhindert Handlungsfähigkeit, das "wir" eine falschen Teleologie von Wahrheitsfindung._

Der einzige Ausweg aus dieser Sackgasse: Diese versteckte Annahme zu überdenken und aufzugeben, auzufhören, "Forderungen" mit Wahrheitsanspruch im naiven Sinn zu verbinden und den Blick nach draußen - hier gebe ich Daniel vollkommen recht - zu bekommen, zu sehen, dass Forderungen und Aktionen erst einmal zur Disposition gestellt werden, notwendigerweise, dass sie bloß verschwindendes Moment in einem Kampf sind. Dass es das "wir" nicht gibt - diese Behauptung, die oft genug in den letzten Tagen wiederholt wurde, sehr ernst zu nehmen. Und dass es dennoch einen Kampf gibt und Ziele, die freilich ohne Forderungen und Aktionen immer wage und unbestimmt bleiben müssen - ihre Bestimmtheit können sie ja erst erlangen, indem Forderungen auf Widerstand stoßen, wenn sie nach außen getragen werden.

Die Überheblichkeit liegt nicht darin, Forderungen aufzustellen. Sie liegt darin, sie hinauszuschieben auf einen unmöglichen Punkt von Perfektion. Man muss daher bestimmte "Rhetoriken", so gut sie konnotiert sind, sehr aufmerksam sezieren.

Grüße,
Stas.
 

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