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selbstbestimmtes Studium

Page history last edited by Carola 10 years, 8 months ago

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1. Was ist ein selbstbestimmtes Studium?

 

Für ein selbstbestimmtes Studium sind folgende grundlegenden Bedingungen notwendig: Es braucht Zeit und Raum zum Denken und Selbsterkennen, zum selbstständigen Arbeiten, zum Lernen von Verantwortungsübernahme und zum sozialen Lernen und Erfahren von Multiperspektiven.

 Kennzeichen für ein selbstbestimmtes Studium ist die Freiheit der Wahl von Modulen, Seminaren, Vorlesungen und der Dozierenden.

Desweiteren ist eine Teilhabe an der Hochschulpolitik notwendig und es muss eine Transparenz derselben gewährleistet sein. Mögliche Umsetzungen sind die Mitgestaltung an Modulen, der Gremienteilnahme durch StudierendenvertreterInnen sowie der Teilhabe der Studierenden an der Reform der Universitäten.

Weiterhin muss Freiraum zur Selbstforschung (das eigenständige Entwickeln von Forschungsinteressen, eigener Theorien und Vorstellungen) bestehen. Dazu darf es aber zu keiner Überfrachtung des "Workloads" durch Prüfungsvorleistungen, Hausaufgaben, Referate, etc. kommen. Weiterhin muss eine echte Auswahl an Veranstaltungen bestehen. Es darf kein äußerer Druck durch permanente Leistungskontrolle und Anwesenheitslisten bestehen. Auch universitätsinterne Räumlichkeiten, welche durch Studierende verwaltet werden, sind unbedingt notwendig.

 

2. Was heißt Verschulung?

 

Verschulung ist eine umgangssprachliche Bezeichnung und meint einen Prozess der Überinstitutionalisierung. Dieser meint eine Form der Institutionalisierung, welche durch eine immense Ausdifferenzierung der inneren Ordnung, in diesem Fall der Institutionen des Studiums, gekennzeichnet ist.

 

Mit Überinstitutionalisierung werden Regularien bezeichnet, die tief in ein selbstbestimmtes Studium einschneiden, denn es werden dadurch die oben beschriebenen grundlegenden Bedingungen der selbst bestimmten Bildung verletzt.

Während des Studiums kommt es zu einer Entwicklung der Studierenden. Sich verändernde Interessen und besonders ein sich stark wandelndes Weltbild  hinterfragen die Studienwahl. Das Bewusstsein der großen Bedeutung des Studiums für die persönliche Entwicklung und der Zweifel an der Studiengangswahl setzen Studierende unter einen unablässigen Zweifel. Die Wirkung ist ein permanenter Kampf  um die Erhaltung der eigenen intrinsischen  Motivation. Intrinsische Motivation meint die Motivation, die den eigenen Interessen, Überzeugungen und Erkenntnissen entsteigt.

Die Überinstitutionalisierung steht dem Erhalt der intrinsischen Motivation kontraproduktiv entgegen.

Beispiele sind  die unablässigen Leistungsüberprüfungen und  Maßnahmen, die Anwesenheit zur Pflicht erklären, z. B. durch Anwesenheitslisten. Durch diese Methoden wird eine extrinsische Motivation (Motivation durch äußeren Zwang) zu bewirken versucht.

Die extrinsische Motivation ist problematisch. Die riesige Komplexität der individuellen Probleme im Studium können nur im Ansatz vermittelt werden. Jede/r muss selbst einen Weg finden, um zum Beispiel eine eigene Urteilsfähigkeit zu entwickeln, zu verteidigen und anzuwenden.

Die Wirkung extrinsischer Motivation ist vielfältig.

Sie kann die fehlende intrinsische Motivation ersetzen und produziert dann Unselbständigkeit und die Abgabe der eigenen Verantwortung an den äußeren "Motivator".

Die extrinsische Motivation kann zudem bestehende intrinsische Motivation abschwächen bis auslöschen. Denn durch die umfassenden Regeln, permanenten Hausaufgaben und Anwesenheitskontrollen wird ein unablässiger äußerer Druck geschaffen. Dieser tritt in Konkurrenz mit der intrinsischen Motivation. Denn der/die Studierende wird förmlich zu dem, was er/sie freiwillig machen möchte, gezwungen. Empirische Studien in Gymnasien haben gezeigt, dass bei diesem Prozess kurz über lang die intrinsische Motivation nachlässt soweit bis sie versiegt.

Sobald die intrinsische Motivation nachlässt entstehen Identitätskrisen mit dem selbst gewählten Studiengang. Es wird zu einem Studium, welches nur noch durch äußeren Einfluss bezweckt wird, es verliert die Bindung zur Person und wird fremd. Die Abbruchsquote im Bachelorstudium ist sehr hoch.

 

Ein weiteres Beispiel für die negativen Wirkungen der Überinstitutionalisierung ist anhand der fehlenden Wahlfreiheit in den Modulen oder gar der Missachtung der Interessen der Studierenden bei der Modulwahl zu sehen. Denn diese wirken komplett gegen jegliche intrinsische Motivation. Sie negieren sie von Grunde auf. Auch sie produzieren ein permanentes Entfremden vom Studiengang. Anfängliches Unbehagen wird zu Frust und zu Abneigung gegenüber dem, was man gezwungen wird, zu studieren. 

 

Der beschriebene Prozess wurde konkret durch die Bologna-Reform bewirkt. In der Umsetzung dieses Prozesses finden sich die Ängste, die Fremdinteressen, die Verantwortungslosigkeit und die Fehler, die dieses für uns alle wahrzunehmende Ergebnis bewirken und bewirkten.

 

3. Wie kann das gegenwärtige Studium selbstbestimmter werden?

 

Grundlegend für diese Entwicklung ist ein Vertrauen der Dozierenden und der Verwaltung in die Studierenden. Dann kann es zur Öffnung universitärer Räume, zur Entschärfung des Kontrollsystems des Bachelors und zur Lockerung des rechtlichen Rahmens kommen.

 

Wichtig ist dafür eine offenere Auslegung der Bologna-Vorgaben durch das Akkreditierungsbüro und die Verwaltungsebenen der Universität.

Wichtig für die Entwicklung der eigenen Urteilsfähigkeit ist das Anbieten spezialisierter Module, welche auch mit dem Magisterstudium verbunden werden können.

Der Wahlbereich muss eine funktionierende, verteilungsgerechte Form bekommen.

Zur Vereinfachung des Studiums sollte die Dezentralität des universitären Informationssystems abgebaut werden. Homepage, Aushänge, E-Mail, Moodle… Die Unübersichtlichkeit überfordert die Studierenden und produziert Verdrossenheit und in letzter Konsequenz Uninformiertheit.

Von grundlegender Bedeutung ist die Schaffung zentral gelegener studentischer Räume, in welchen ungehinderter Austausch möglich ist und die für das spätere Leben notwendigen Fähigkeiten und sozialen Beziehungen eingerichtet werden können.

 

 

 

Comments (3)

duschi said

at 8:05 pm on Jun 7, 2009

andere Aspekte eine selbtsbestimmten Studium: die Studierenden gestalten ihr Studium selbst, das heißt, sie entscheiden was sie lernen und überlassen dies nicht anderen Instanzen. An anderen Universitäten wie in Potsdam ist ein wichtiger Schritt in dieser Richtung das Alternative Veranstaltungsverzeichnis. Hier treten die Studierenden aus ihrer Rolle als Konsumenten im Unibetrieb und bestimmen die inhalte mit denen sie sich auseinandersetzen wollen. (Theresa)

duschi said

at 5:44 pm on Jun 9, 2009

Das alternative Veranstaltungsverzeichnis verstehe ich so, dass das Studium die Angebote nicht bietet und man darum etwas ausserhalb der regulären Lehre schafft. Das heisst für mich das es eine Ausweichbewegung aus dem schlechten Uniangebot ist. Wenn ich aber die Uni in ihrem Angebot kritisiere mit dem Ziel es zu verbessern, dann sollte ich nicht schon Alternativen in die Kritik einnehmen. Worüber will man noch streiten, wenn man bereits Alternativen hat?

duschi said

at 5:47 pm on Jun 9, 2009

Der letzte Comment war meiner: Ron.

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