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Exzellenz

Page history last edited by brecht 10 years, 9 months ago

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Eliteuniversität 

 

Eliteuniversitäten bzw. Exzellenz der Universität wurden mit dem Gedanken geschaffen, ausgewählte deutsche Universitäten auf eine angenommene internationale Wettbewerbsfähigkeit hin auszurichten. Je nach dem hierbei ermittelten Stellenwert erhalten die Hochschulen, welche sich im Exzellenzwettbewerb durchsetzen, eine umfangreiche Förderung. Die Kriterien und die danach folgende Auswahl werden von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) und dem Wissenschaftsrat festgelegt. Laut DFG sind die in der Öffentlichkeit viel diskutierten Auswahlkriterien der Universitäten aus der breiten Hochschullandschaft wissenschaftliche und solche, welche die Forschung an den Unis betreffen.

 

Problematisch bleibt die mangelnde Transparenz dieser Auswahlkriterien und die damit verbundene Gefahr der politischen und wirtschaftlichen Vereinnahmung. Es scheint, dass Lehrtätigkeit keine Rolle spielt, obwohl die Einheit von Lehre und Forschung einer jeden Universität, als Ideal angestrebt wird. 

 

Es werden dabei drei verschiedene Typen unterschieden, die jeweils dann mit ungleich hohen Geldern  pro Jahr für eine Dauer von fünf Jahre gefördert werden. Zum einen gibt es die Graduiertenschule, welche zur Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses beiträgt. Sie bringt DoktorandInnen hervor und wird dafür mit ca. 1 Million Euro unterstützt. Die Leipziger Universität zählt dazu. Dem zweiten Typ entsprechen Universitäten mit Exzellenzclustern. Diese sollen international konkurrenzfähige und sichtbare Forschungs- und Ausbildunginstitutionen sein, die sich für ein weltweites Ranking qualifiziert haben. Die finanzielle Unterstützung beläuft sich auf 6,5 Millionen Euro pro Jahr. (Bsp.: Berliner HU) Universitäten mit einem sogennanten Zukunftskonzept entsprechen dem dritten Typ. Der Exzellenztitel wird ihnen zugesprochen, da sie die universitäre Spitzenforschung in Deutschland ausbauen. Sie erhalten 13,5 Millionen Euro. Eine solche Universität ist beispielsweise die TU München.

Durch die jeweiligen Förderungen verbessert sich die finanzielle Lage der entsprechenden Institutionen und führt dazu, dass mehr Mittel in Forschung und den angestrebten Ausbau fließen können. Dadurch erhöht sich der vermeintliche Status der Universität nicht nur bundesweit und darüber hinaus. Gelangen AbsolventInnen einer solchen Universität auf den Arbeitsmarkt, so ist die Chancengleichheit mit AbsolventInnen von "no-name" Universitäten nicht gegeben.

Gleichermaßen werden diese Universitäten im Forschungsbereich für WissenschaftlerInnen attraktiver. Eine logische Folge ist, dass auch "exzellente" ProfessorInnen, DozentenInnen und/oder ForscherInnen sich an solchen Universitäten konzentrieren. Die Folge ist eine Oligarchie unter den Universitäten, die sich immer weiter verfestigt und eine strukturelle Benachteiligung für Universitäten außerhalb des elitären Kreises mit sich bringt.

 

Die Unterstützung und Förderung von Wissenschaft und Forschung ist zu begrüßen und wichtig.

Dennoch sollten allgemeine Universitäten nicht vernachlässigt werden, denn deren Finanzierung ist oftmals mangelhaft. Die chronische Folge ist die Entstehung eines Zweiklassensystems von Universitäten. Neben der finanziellen Ausstattung besteht auch auf weiteren Ebenen Handlungsbedarf. So darf keine weiterführende Aufspaltung von Lehr- und Forschungsuniversitäten vollzogen werden.

Durch die lokale Konzentration von führenden WissenschaftlerInnen und ForscherInnen geht die Attraktivität anderer Universitäten für Studierende verloren. Zudem ist es enorm schwer, an den so genannten Eliteuniversitäten Zugang zu erhalten oder ein Studium an den jeweiligen Einrichtungen zu finanzieren. Eine solche Bidlung ist häufig nur für finanziell Abgesicherte oder für SitpendiatInnen möglich.

Die damit einhergehende Differenzierung von Forschungs- und Lehruniversitäten bietet auch dem Lehrpersonal an Hochschulen, das sich hauptsächlich auf die Lehre konzentriert, wenig Möglichkeit für eigene Forschung. Forschung sollte jedoch kein Privileg sein. Dozierenden sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, nach eigenem Ermessen Forschung und Lehre zu verbinden. 

Die Forschung selbst wird von der Exzellenz eingeschränkt und stark gelenkt. Finanzielle, politische als auch ökonomische Unterstützung erhalten vorrangig jene Forschungsprojekte, welche Chancen auf eine gute Positionierung im internationalen Ranking mit sich bringen beziehungsweise denen dies zugeschrieben wird. 'Drin ist, was in ist' - Die "Mode" wird vom Markt bestimmt. Forschungsrichtungen, bei denen aktuell keine aufseheneregenden Entdeckungen zu erwarten sind, werden folgerichtig vernachlässigt. Erfolgt keine Neuausrichtung der betroffenen Institutionen, droht das finanzielle Aus beziehungsweise das Aus durch dauerhaften Mittelmäßigkeit.   

Eine weitere Folge des Zweiklassensystems an Hochschulen ist eine Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt für AbsolventInnen. Wirtschaftlichen Unternehmen ist bekannt, welche Hochschulen 'exzellent' sind und werden daher AbsolventInnen dieser speziellen Universitäten bevorzugt aufnehmen. Unabhängig von persönlichen Leistungen und Präferenzen erwächst somit ein Nachteil für all jene, welche ihr Studium im Rahmen einer nicht-'exzellenten' Institution absolvieren.

Die Vergabe des Exzellenztitels sollte nicht auf Kosten anderer Universitäten passieren, sondern es müssen Überlegungen stattfinden, die der bereits existierenden Ausdifferenzierung der Hochschulen entgegenwirken.

 

- Exzellenz fördert die Verortung von Forschung und wissenschaftliche Zentrumsbildung

- Elite Unis bringen Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt

- Die geringfügige Förderung der Graduiertenschulen benachteiligt deren Entwicklung

- Ausdifferenzierung von Hochschulen (Zweiklassensystem) wird vorangetrieben 

 

www.dfg.de/forschungsfoerderung/koordinierte_programme/exzellenzinitiative/

 

 

 

 

Comments (2)

Benjamin said

at 4:12 pm on Jun 3, 2009

bäm

suse said

at 10:33 am on Jun 8, 2009

"Es scheint, dass Lehrtätigkeit keine Rolle spielt, (obwohl die Einheit von Lehre und Forschung einer jeden Universität als Ideal angestrebt wird.)" Hier sei nur angemerkt, dass der Kritikpunkt, Exzellenzinitiative beziehe sich nur auf die Forschung, in wissenschaftlichen Kreisen wahrgenommen wurde und es nun Bestrebungen gibt, die Exzellenzinitiative auch auf Lehre auszuweiten. Dazu der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft http://www.stifterverband.org/wissenschaft_und_hochschule/lehre/exzellenz_in_der_lehre/index.html. Ich wollte nur die Info erwähnen, natürlich ändert eine Exzellenzintitiative für die Lehre nicht das Grundproblem der Konzentration von Mitteln auf einige wenige Universitäten und damit die wachsende Kluft zwischen exzellenten, finanziell gut ausgestatteten und "normalen", weniger gut ausgestatteten Universitäten. Exzellenzinitiative für Lehre würde desweiteren eine noch stärkere Spezialisierung einzelner Unis auf Forschung oder Lehre vorrantreiben, d.h. es könnten sich exzellente Forschergruppen sowie exzellente Lehrunis herausarbeiten. Das manche Unis in beiden Bereichen exzellent werden, ist mit großen Anstrengungen (konzeptuell, aber auch verwaltungstechnisch)verbunden, weshalb diese Entwicklung unwahrscheinlich scheint. Daher werde die "Einheit von Forschung und Lehre" noch weiter aufgeweicht.

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