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Eine Zusammenfassung, von dem was ist, von dem was war und von dem was sein könnte - 12Mai

Page history last edited by Oernie 11 years ago

 

Eine Zusammenfassung, von dem was ist, von dem was war und von dem was sein könnte.

 

Der Text wurde aus einem Versuch heraus geschrieben, zu verdeutlichen was während des Protest-Prozesses passierte, passiert und passieren könnte. Nehmt euch die Zeit und lest ihn diskutiert ihn, verbessert ihn oder verwerft ihn. Viel Spaß dabei.

 

Die Frage, ob die ProtestlerInnen über ein Gruppen-Selbstverständnis verfügen, kann und muss anders gestellt werden. Jede beteiligte Person verfügt über so etwas wie ein Selbst-Verständnis. Ihr Verständnis bezieht sich auf sich selbst und, in unserem speziellen Fall, auf das Verständnis ihrer Selbst im Kontext der Besetzung.

Kein Gruppen-Selbstverständnis könnte an diesem Erkenntnisakt etwas ändern. Jede Form von Gruppenzusammensetzungen basiert auf einem heterogenen Prinzip, der Kontext bezogenen Selbsterkenntnis jedes einzelnen Menschen. Insofern war die Zusammensetzung der ProtestlerInnen heterogen, ist heterogen und wird heterogen bleiben.

Aber was bedeutet Heterogenität in diesem Fall? Heterogenität bezieht sich auf den Erkenntnisprozess, die Entscheidungsfindung und Handlungsoptionen jeder einzelnen Person. Diese drei Prozesse laufen immer schon individuell ab und sie dürfen nicht kollektiviert werden. Jeder Person müssen die freien Entscheidungsmöglichkeiten über ihren Erkenntnisprozess, ihren Entscheidungsprozess und ihrer Handlungsoptionen zugestanden werden. Damit diese Heterogenität erhalten bleibt, bedarf es des Ausschlusses von Ungleichwertigskeitslogiken (Rassismus, Homophobie, Sexismus, Machtansprüche etc.). Heterogenität kann nur dann tolerant mit einander gelebt werden, wenn sie von den ProtagonistInnen anerkannt wird und die Handlungen in einer Form getroffen werden, die den anderen in ihrer Heterogenität gerecht werden. An dieser Stelle soll nochmals darauf hingewiesen werden, dass jegliche Form von gewalttätigen Aktionen in keiner Weise zur Diskussion stehen, da sie massiv die Heterogenität der BesetzerInnen verletzen würden.

 

Insofern lässt sich konstatieren, dass die Menge der BesetzerInnen de facto einer heterogenen und offenen Gruppe entspricht und sich als solche auch versteht. Diese Ebene der Innenperspektive ist durch offenes, freies und vielfältiges Miteinander bestimmt. Jedoch geschieht diese Besetzung nicht aus dem Selbstzweck des Besetzens heraus. Ihre Motivation ist dadurch gekennzeichnet, dass die BesetzerInnen geprägt durch ihre Heterogenität Probleme benennen, Fragen stellen und Lösungsansätze suchen. Für diesen Protest-Prozess wird sich Raum und Zeit genommen. Die Besetzungsräumlichkeiten bieten dafür einen Rahmen. Im Prinzip erfüllen sie zwei Aufgaben: Zum einen bieten sie die Möglichkeit, dass Menschen, deren Lebenswirklichkeiten sonst kaum Überschneidungspunkte aufweist, einen Platz haben, an dem sie von äußeren Umständen unabhängig jeder Zeit zusammenkommen können und zum anderen wirkt die Besetzung durch ihre faktische Präsenz nach ‚außen’ in die Gesellschaft hinein. Sie ist, in dem sie Besetzung ist, ein Signal.

 

In dem Besetzungscharakter verbirgt sich ein Moment, das neben der Innenperspektive der BesetzerInnen-Gruppe eine Außenperspektive erzeugt. In dieser Außenperspektive werden die BesetzerInnen als eine homogene Gruppe wahrgenommen, die agiert und in einer Wechselwirkung zu anderen Gruppen steht. Genau dieses Moment muss bei dem Protest immer mit gedacht werden.

Die eine Ebene ist das tägliche heterogene Miteinander und die andere Ebene ist die homogene Außenwirkung. Diese Ebene ist durch den externen Blick der Anderen auf die BesetzerInnen bedingt. Diesem Blick kann sich nur schwer entzogen werden, weil dieser Blick immer schon das Individuum verallgemeinert in einem „Die BesetzerInnen haben gesagt“ oder „Die Protestierenden rufen zu einer Absage der Feierlichkeiten auf“. Dieser externe Blick in Formen von Verallgemeinerung und Zuschreibungen passierte, passiert und wird passieren. Die entscheidende Frage sollte somit sein, nach welchen Kriterien der externe Blick funktioniert und wie die BesetzerInnen mit ihm umgehen können und sollten.

 

Der externe Blick funktioniert hauptsächlich über eine kritische Auseinandersetzung mit einem Ereignis. Dabei wird in diesem Fall die Kritik auf verschiedenen Ebenen an uns heran getragen. Jedoch ist diese Kritik in den meisten Fällen keine gemeinschaftlich geführte Auseinandersetzung über einen Sachverhalt, sondern viel mehr ein Bestimmen und Herantragen von Meinungen, ohne sich mit dem Prozess auseinander zu setzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kommentar von Thomas Mayer in der LVZ vom 11.05.09 zu den Protesten bei der Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten zur 600 Jahr Feier. Dieser schreibt: „Der Studentenrat hat freilich eine Chance vergeben, für seine Anliegen zu werben.“

Es wird deutlich, dass sich dieser Reporter, obwohl die LVZ mittlerweile drei Pressemitteilungen erhalten hat, nicht in der Lage ist, seine Kritik an der Protestaktion überhaupt an die richtigen Adressaten zu senden, geschweige denn, sich mit dem vorgetragenen Inhalt auseinander zu setzen. Andere Personengruppen tragen scheinbare inhaltliche Kritikpunkt an die ProtestlerInnen heran, in dem sie kritisieren, dass noch keine Forderungen entstanden sind, wieder andere sehen Kritikpunkte in der geringen Anzahl der Protestierenden und wieder andere kritisieren die scheinbare Oberflächlichkeit der Debatten und des bis dato Erzeugten.

Interessant an diesen externen Kritiken ist, dass sie weder an einer Auseinandersetzung mit den protestierenden Menschen interessiert zu seinen scheinen, noch den Anspruch haben, sich überhaupt tiefgründig mit diesem Protest-Prozess zu beschäftigen. Insofern sollte sich die ProtestlerInnen-Gruppe die Frage stellen, wie weit sie sich von dieser Kritik, die völlig oberflächlich ist, unter Druck setzten lässt. Der Quantisierung des externen Blickes und der scheinbaren Kritik, die oft nur pures ‚Meinen’ ist, muss eine Qualität des Protest-Prozesses entgegen gestellt werden. Es macht kaum Sinn sich durch Kritik von Kritikern einschüchtern zu lassen, die jedoch als Diskussionspartner nicht zur Verfügung stehen und um der Kritik willens kritisieren.

An dieser Stelle ist eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem externen Blick von Nöten. Das Hauptaugenmerk sollte darauf gerichtet werden, wie der Protest-Prozess durch eigenes Handeln nach außen wirkt.

 

Immer wieder werden Diskussionen geführt, dass der Protest zu klein ist, auf der Stelle tritt und nichts erreicht. Um diese Positionen zu beleuchten sollen hier zwei Beispiele exemplarisch zur Diskussion gestellt werden. Durch die Quantität der Großdemonstrationen in Dresden am 13. Dezember 2007 und am 12. November 2008 wurde, obwohl jeweils fast 10.000 Studierende an ihnen teilgenommen haben, nichts erreicht. Ihre Wirkungsfähigkeit auf gesellschaftliche Zusammenhänge ist nach den beiden Demonstrationstagen verpufft. Sie hatte kein nachhaltiges Moment. Es lässt sich daran deutlich erkennen, dass die Anzahl von Protestierenden nichts mit dem Erreichen ihrer Anliegen zu tun hat.

Als anderes Beispiel wird hier nochmals die Protestaktion zu den Jubiläumsfeierlichkeiten angeführt. Eine höhere Teilnehmerzahl bei der Versammlung vor dem Gewandhaus hätte in ihrer Wirkung kaum Einfluss auf die Ereignisse gehabt. Wichtiger ist das Auftreten der Personen im Gewandhaus und das Flyer-verteilen gewesen. Sie haben es fertig gebraucht, dass unsere inhaltliche Position von 1800 Menschen vernommen worden ist, sie an die richtigen Adressaten gerichtet wurde und ein großes Echo sowie Diskussionen auslöste. Hierbei war die Qualität der Aktionsform und nicht die Quantität der Teilnehmer für den Erfolg verantwortlich.

 

Die Nachhaltigkeit und der mögliche Erfolg des Protest-Prozesses hängen von der Wirkungsfähigkeit des Protestes nach außen und von dessen Qualität ab. Damit diese gesellschaftliche Nachhaltigkeit erzeugt wird, bedarf es dreier Merkmale:

Der Protest-Prozess muss in seiner Heterogenität nach Außen autonom, radikal und konsequent auftreten. Dies ist kein Widerspruch zur Heterogenität, sondern bestärkt diese.

Werden Worte wie autonom und radikal benutzt, entstehen sofort Ablehnungshaltungen. Jene bilden sich dadurch, dass die Begriffe massiv von einer Medienlandschaft instrumentalisiert und negativ konotiert werden. Aus diesem Grund muss die Frage gestellt werden, was es bedeutet, wenn ein Protest-Prozess als autonom, radikal und konsequent bezeichnet wird.

 

autonom:

Autonom bedeutet in der ursprünglichen Bedeutung selbst-Gesetz-gebend zu sein. Dieses selbst-Gesetz-gebend-sein ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen unabhängigen Protest-Prozess, der sich frei entwickeln möchte. Die ProtestlerInnen entscheiden selbst und unabhängig von externen Einflüssen über ihre Vorgehensweisen, wann sie wie Entscheidungen treffen und wie sie handeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich daraus eine Seifenblasenwelt ergibt, die jeden Bezug zur Realität verliert, sondern viel mehr genau das Gegenteil davon. Um autonom zu handeln, müssen immer wieder Diskussionen geführt werden, müssen immer wieder Situationen analysiert und bewertet werden, müssen immer wieder Positionen hinterfragt und gegebenenfalls geändert werden. Dieser immer wieder auftretende Selbstreflexionsprozess, der in einer verantwortungsvollen Art und Weise geführt werden muss, um die entstehenden Spannungen der Heterogenität tragen zu können, ist eben nur in einem autonomen Prozess möglich. Dieser autonome Prozess hat den Vorteil, dass er von politischen Sachzwängen befreit ist. Die ProstlerInnen müssen eben nicht, wie z.B. der Stura bestimmte Positionen vertreten und Rollen einnehmen oder wie andere Hochschulgruppen bestimmte ideologische Korsette tragen. Dadurch erweitert sich die Handlungskompetenz enorm. Wie gesagt, das autonom bezieht sich auf eine Art und Weise, wie der Protest-Prozess nach Außen und Innen nachhaltig und glaubwürdig Auftreten kann.

Die Stärke und Freiheit liegt darin, dass der Protest-Prozess eben selbst entscheiden kann, wann er wie und was kommuniziert und handelt oder eben, wann er wie und was nicht kommuniziert und nicht handelt.

Hiermit ist jedoch nicht gemeint, dass der Protest-Prozess autark ist, oder sein sollte. Er lebt gerade von der Offenheit und dem Austausch. Ist dies nicht gegeben würde er sich nur als Seifenblasenwelt verstehen und existieren können.

 

radikal:

Radikal bedeutet, abgeleitet aus dem Lateinischen, an die Wurzeln gehen. Genau das passiert in dem Protest-Prozess. Allein die Form der Besetzung und der damit verbundene Wille, sich eine Möglichkeit zu schaffen, jenseits der Gremien, Hochschulorgane und Hochschulgruppen den Raum und die Zeit für Analysen und Diskussionen zu nehmen, ist ein radikaler Ansatz. Genau, weil er tiefer zielt, als einfach nur einen Sachverhalt abzuarbeiten und weil er die Möglichkeit mit einschließt und nicht per se ausschließt, das Bildungssystem in seinem gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang in Frage zustellen, ist der radikale Ansatz wichtig. Hierbei geht es nicht, genau wie bei dem Merkmal des Autonomen, um Gewalt oder ähnliches sondern um eine Möglichkeit Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Ein radikaler Protest-Prozess lässt eben inhaltlich die Möglichkeiten bestehen und die Entscheidungen zu, sowohl auf das Spezielle, als auch auf das Allgemeine abzuzielen. Dabei muss auch festgehalten werden, dass Radikalität und Autonomie keine fundamental Opposition bedeuten, die sich nur mit sich selbst beschäftigt und völlig unfähig ist, sich an Entscheidungsprozessen und konstruktiv an Diskursen zu beteiligen. Es geht viel mehr um die Art und Weise des Fragenstellens, um das wie-miteinander-umgegangen-wird und wie der Protest-Prozess nach außen wirkt. Die Radikalität, also das an-die-Wurzeln-gehen, hat den Vorteil, dass sie den Fragehorizont erweitert und nicht verengt, dass sie einschließt und nicht ausschließt und somit eine größere Freiheit gewonnen wird.

 

konsequent:

Wenn die Frage gestellt wird, wie ein Protest-Prozess Qualität und nicht bloße Quantität erzeugen kann, muss meines Erachtens die Handlungsebene des Protestes und sein Wirken nach Außen betrachtet werden. Dafür ist die Konsequenz das wichtigste Merkmal und nicht die Anzahl von erzeugten Texten oder organisierten Menschen. Egal wie viel produziert wird, egal wie viele Menschen mobilisiert werden, egal welche Antworten auf welche Probleme gefunden werden, so bleibt doch der Protest-Prozess nur eine Stimme, nur ein gesellschaftlicher Interessenzusammenhang unter vielen. In einer pluralistischen Gesellschaft ist jede Organisationsform immer per se als Minderheit gegenüber einer Mehrheit aufgestellt. Die entscheidende Fragestellung sollte sein, wie dieser Protest-Prozess nach außen wirken kann und dafür sollte eins der wichtigsten Kriterien konsequentes Handeln sein. Durch konsequentes Handeln und Auftreten werden Menschen und Gruppen beurteilt. Ein konsequentes Handeln und Auftreten, wie zum Beispiel in Form unserer Besetzung, verdeutlicht, dass den ProtestlerInnen ihr Anliegen wichtig ist, dass sie bereit sind, dafür enorm viel Zeit und Energie aufzuwenden, dass sie eben nicht, um den Selbstzweck des Protestes protestieren, ansonsten gäbe es die Besetzung schon lange nicht mehr, weil sie eben nicht nur Spaß macht, weil sie eben auch teilweise Ratlosigkeit und Frustration erzeugt. Doch liegt in dem konsequenten Auftreten des Protest-Prozesses seine Stärke. Genau, weil er seit fast einem Monat die Signale und Informationen in die Gesellschaft verbreitet, dass einigen Leuten das Anliegen so wichtig ist, dass sie konsequent Handeln und den Anspruch haben, ihre Fragen und Anliegen immer wieder vorzutragen und, gelinde gesagt, dafür einzustehen.

 

Diese drei Merkmale autonome Entscheidungsfindung und autonomes Handeln, radikales Fragen und Antworten sowie konsequentes Auftreten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Glaubwürdigkeit des Protest-Prozesses. Diese Glaubwürdigkeit wird letzten Endes entscheidend sein, ob der Prozess erfolgreich verläuft und ernst genommen wird.

 

Eine letzte Überlegung die sich daraus ergibt:

Es entstehen automatisch zwei verschiedene Ebenen:

Die eine Ebene ist das tägliche Geschehen, das durch unsere Interaktion miteinander bestimmt ist. Auf dieser Ebene wird diskutiert, gelebt, gefühlt, gezweifelt, sich gefreut, analysiert, Gleichgültigkeit entwickelt, gestritten, sich versöhnt etc.

Dieses Erleben und Miteinanderleben lässt uns alle einen normativen, deskriptiven und emotionalen Anspruch gewinnen und Erkenntnisse aus dem Protest-Prozess ziehen. Dies findet im persönlichen Erleben und Beurteilen statt. Diese Ebene ist stark durch unser Sein und unsere Entscheidungen geprägt.

Es entsteht jedoch noch eine andere Interaktionsebene, nämlich die, die das Ereignis Protest-Prozess nach außen in die Gesellschaft trägt. Als Ereignis können all jene gesellschaftlichen Zusammenhänge bezeichnet werden, die nicht als ‚normal’ verstandenen und beurteilt werden. Die aus der Matrix der täglichen gesellschaftlichen Abläufe heraus fallen und Signale und Informationen in die verschiedensten Menschen senden. Unsere Besetzung ist solch ein Ereignis. Es erzeugt Diskussionen, die unabhängig unseres ‚Zugriffes’ sich wie Wellen weiter durch die Gesellschaft und darüber hinaus ziehen. Anders ausgedrückt, greifen wir durch unser Handeln in einen gesellschaftlichen Diskurs ein, der jedoch nur marginal von uns bestimmt wird. Jedoch wird er mit jedem Tag den wir weiter handeln intensiviert, weil die Signale und Informationen nicht einfach verloren gehen im Bewusstsein der Menschen, auf die diese Signale und Informationen treffen. Wie sich die Menschen dazu positionieren ist dabei erstmal irrelevant, wichtiger ist, dass sie sich nicht nicht damit auseinandersetzen können. Die Rede am Samstag bei den Jubiläumsfeierlichkeiten ist dafür ein schönes Beispiel.

Die 1800 Menschen wurden angesprochen und haben sich mit der Kritik auseinandersetzen müssen. Die Beurteilung der Kritik liegt jedoch bei ihnen und das muss sie auch. Ein Freund sagte: „Wichtig ist, was der Protest am Ende erreicht.“

Das sehe ich völlig anders. Auf der zweiten Ebene können wir gar nicht abschätzen, wie der Protest wirkt. Welche anderen Ereignisse er auslöst. Vielleicht bleibt alles beim alten und wir scheitern grandios, sind aber durch unseren Eingriff in den gesellschaftlichen Bildungsdiskurs mit dafür verantwortlich, dass wir als Vorbild für andere Menschen dienen, ihnen Mut machen und Hoffnung geben ähnliche Pfade zu beschreiten, die dann zum Beispiel in einem anderen Bundesland Studiengebühren kippen. Der Auswirkungen und Erfolge können wir uns nie wirklich bewusst sein.

Wir können nur durch unser Handeln einen Teil dafür beitragen, dass Bildung und deren gesellschaftliche Zusammenhänge in der Gesellschaft diskutiert werden. Dessen sollten wir uns alle bewusst sein und die Klugheit und Weitsicht besitzen, dass unser Handeln nicht ereignis-, informations- und singnallos ist. Es ist wichtig, dass wir mit bestem Gewissen, Kreativität und Absichten überlegt, reflektiert und selbstgewählt in den Diskurs eingreifen und unsere Inhalte platzieren. Dies ist ein langer Prozess. Deshalb dürfen wir uns auch nicht verrückt machen lassen, durch Forderungen nach schnellen Erfolgen, bei denen noch nicht einmal klar ist, ob sie wirklich Erfolge sind.

 

Wichtiger ist, dass wir Ver-Antwortung übernehmen, für das was uns bewegt. Fragen und Antworten suchen auf die Probleme die uns beschäftigen. Ändern können wir sie sowieso nicht allein, aber konsequent darauf hinweisen und auf Veränderungen hinwirken.

 

Des weiteren erschließt sich aus dieser Analyse auch ein Wesensmerkmal von Protest. Protest ist nach Außen gerichtet, Protest versucht Gehör zu finden und Protest fordert Veränderungen. Deshalb ist es auch unabdingbar Protest als Kommunikationsform zu wählen und nicht in inhaltliche Debattierclubs zuversauern. Wie die Kommunikation stattfindet, welche Wege sie einschlägt, dass ist dann die konkrete Form des Protestes.

 

In unserer Studi-WG-Welt, die sich wie ein Wackelpudding an fühlt, der nachgibt, wenn Menschen dagegen drücken, aber das Drücken nichts verändert, gelangen wir schneller zurück, als wir es begreifen können.

 

 

 

Ein langer Gedankengang und Schluss.

 

Rabe

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